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Rentenerhöhung von 1,1 Prozent zum 1. Juli beschlossen

08. April 2008 - Stichworte:

Trotz aller Kritik hat die Bundesregierung heute die angekündigte außerplanmäßige Rentenerhöhung um 1,1 Prozent auf den Weg gebracht. Während die Große Koalition das Vorhaben in Berlin verteidigte, hagelte es Kritik aus Verbänden und der Opposition. Für die außerplanmäßige Rentenerhöhung hatte das Bundeskabinett seine Sitzung extra vorgezogen.

Die Rentenerhöhung fällt damit doppelt so groß aus wie nach geltendem Recht vorgesehen. Für einen "durchschnittlichen Rentner" bedeutet das 13,05 Euro mehr im Monat, ohne die heutige Erköhung wären es nur 5,50 Euro gewesen. Um das zu erreichen, wird der sogenannte Riesterfaktor, der den Rentenanstieg bremst, vorübergehend ausgesetzt.

Die Rentenerhöhung stößt zunehmend auf Kritik. Der Freiburger Wirtschaftsforscher Bernd Raffelhüschen etwa hat mit einem drastischen Szenario vor einer Kostenexplosion gewarnt.

Die Rentenbeiträge sollen den Koalitionsplänen zufolge derweil 2012 von derzeit 19,9 Prozent der Bruttoeinkommen auf 19,5 Prozent sinken. 2013 soll der Satz bei 19,1 Prozent liegen. Am Nachmittag wollten sich die Koalitionsfraktionen mit dem Thema befassen. Am Donnerstag ist die erste Lesung im Bundestag geplant.



Zuerst empfiehlt es sich,

Zuerst empfiehlt es sich, einmal die beteiligten Personen und Organisationen zu prüfen:

- Bernd Raffelhüschen: Mitglied im Aufsichtsrat der ERGO Versicherungsgruppe sowie als wissenschaftlicher Berater für die Victoria Versicherung AG in Düsseldorf tätig. "Er ist außerdem Mitglied des Vorstands der Stiftung Marktwirtschaft und Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft." - Wikipedia.

- Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft: "eine im Jahr 2000 vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall gegründete sowie von weiteren Wirtschaftsverbänden und Unternehmen getragene PR-Agentur mit dem Ziel, die Bevölkerung von wirtschaftsliberaler Reformpolitik zu überzeugen." - Wikipedia.

- Stiftung Marktwirtschaft: Unternehmernahe Stiftung, von Großspenden finanziert. "Dem Vorstand der Stiftung gehören Bernd Raffelhüschen und der ehemalige Leiter des Bundestagsbüros von Friedrich Merz, Michael Eilfort, an. Bernd Raffelhüschen und zwei Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats der Stiftung sind auch „Botschafter“ der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft." - Wikipedia.

Raffelhüschen als Vertreter der Privaten Versicherungswirtschaft meint also nun, dass durch die Erhöhung der Gesetzlichen Rentenversicherung um 1,1% die Zukunft verfrühstückt wird. Er argumentiert dabei mit der (nicht belegbaren und wohl nur aus der reinen Phantasie stammenden) Horrorzahl, dass "bis 2030 zusätzliche Kosten von 115 Milliarden Euro zu erwarten [sind]."

Was Raffelhüschen dabei bewusst verschweigt, ist, dass
1.) die Bevölkerung bis 2030 gerade mal von 82,4 Mio auf 80,3 Mio sinkt (mittleres Modell der koordinierten Bevölkerungsvorausschätzung; Rückgang: 2,55%).
2.) die entscheidende Gesamtlastquote (= Was müssen Personen im erwerbsfähigen Alter für Rentner UND Kinder! aufbringen) bei dem Anstieg des Rentenintrittsalters auf 67 Jahre nur unwesentlich unter dem heutigen Wert (86) liegt und in den 1970er Jahren wesentlich höher war (103).
=> Die demographische Entwicklung ist auf keinen Fall die Ursache für einen "Rentenkollaps", außerdem reicht die Produktivitätssteigerung (momentan durchschnittlich 1,5% / Jahr) völlig aus, um für die Rentner den Lebensstandard zu halten.
Aber Raffelhüschen ist eben hauptberuflich Versicherungsvertreter, und es geht immerhin um 240 Mrd. EUR potenzieller Einlagen.

PS.: Auch das häufig zitierte Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) ist ein "Institut, das sich nach eigenen Angaben die Aufgabe stellt, "Chancen und Risiken der staatlichen Altersversorgung bewusst zu machen und die private Initiative zu fördern", faktisch allerdings ein Marketing-Instrument der Banken und Versicherungen [darstellt]." - Wikipedia.
Es wird hauptsächlich von der Deutschen Bank finanziert.

Empfehlenswert ist es, sich einmal den Dokumentarfilm "Rentenangst" vom SR 2008 anzusehen und sich danach eine eigene Meinung zu bilden. Zur Rolle von Bernd Raffelhüschen kann man sich ja einmal das Interview von "Monitor" mit ihm hier anschauen:
http://www.wdr.de/tv/monitor/real.phtml?bid=778&sid=143

Private Altersvorsorge Vergleich